23. Oktober 2014

Ich fühle mich zu 100 Prozent bereit für den nächsten Schritt

Maximilian Günther: Das Interview zur Saison 2014

Maximilian, du hast die Vize-Meisterschaft im ADAC Formel Masters verteidigt. Wie ordnest du diesen Erfolg ein?
Maximilian Günther: Angesichts unserer Situation in dieser Saison war das ein Riesenerfolg. Ich bin zu meiner zweiten Saison mit dem klaren Ziel angetreten, die Meisterschaft zu gewinnen. Das war allerdings deutlich schwieriger als erhofft. Wir hatten über die acht Rennwochenenden hinweg nicht immer die besten Karten gegen das Meister-Team. Sie waren insgesamt einfach besser aufgestellt, das hatte sich schon bei den Testfahrten im Winter angedeutet. Aber immerhin konnte ich ihnen einige Male Paroli bieten und wir haben mit dem Team stets das Maximum herausgeholt. Super, dass ich mich in der Gesamtwertung zwischen den beiden Fahrern des Meister-Teams auf dem zweiten Platz einordnen konnte.

War es unter diesen Umständen nicht manchmal schwierig, sich für die Rennen zu motivieren?
Nein, überhaupt nicht. Als Rennfahrer möchte ich immer das Beste herausholen. Ich habe stets vom einen zum nächsten Rennwochenende geschaut. Schritt für Schritt, lautete die Devise. Ich wusste, dass ich sie besiegen kann, wenn alles perfekt läuft. Mit vier Siegen und sechs Pole Positions ist mir das auch einige Male gelungen.

Zum Beispiel beim Saisonfinale in Hockenheim…
Ja, die Doppel-Pole im Qualifying auf dem Hockenheimring war eine sehr gute Bestätigung. Im Mittelsektor habe ich zwar eine halbe Sekunde auf den Geraden verloren, weil andere Autos viel mehr Topspeed hatten. Im fahrerisch sehr anspruchsvollen dritten Streckenabschnitt konnte ich aber sechs Zehntel gutmachen und mich somit durchsetzen. Die Belohnung war ein weiterer Pokal für meine Sammlung nach Platz zwei im Rennen.

In deinen zwei Jahren im ADAC Formel Masters bist du 21 Mal auf das Podium gefahren – damit führst du die ewige Liste der Serie an. Hast du dich in diesem Zeitraum weiterentwickelt?
Auf jeden Fall! Seit meinen ersten Schritten im Formelsport habe ich eine sehr große Entwicklung durchlaufen. In meiner Rookie-Saison im ADAC Formel Masters fuhr ich schon auf einem ziemlich hohen Niveau. Elf Poles sind ein guter Beleg dafür. In diesem Jahr konnte ich noch eine Schippe beim Speed drauflegen.

Hast du noch weitere Veränderungen an dir festgestellt?
Auch persönlich habe ich mich weiterentwickelt – gerade, weil es in dieser Saison nicht immer einfach war für das Team und mich. Wir haben aber nie den Kopf in den Sand gesteckt und niemals aufgegeben. Das Jahr 2014 hat mich fahrerisch und menschlich weiter gebracht als wenn ich jedes Rennen gewonnen hätte.

Was war dein persönliches Highlight in der Saison 2014?
Ganz klar das zweite Rennen in Zandvoort. Zum ersten Mal habe ich ein Rennen im Regen gewonnen und damit gezeigt, dass ich auch unter diesen schwierigen Bedingungen schnell bin. Das konnte ich zuvor nur in einigen Trainings unter Beweis stellen. Das Rennen in den Niederlanden habe ich kontrolliert und hatte unheimlich viel Spaß bei dieser Regenschlacht.

Nächstes Jahr soll der Aufstieg in die FIA Formel 3 Europameisterschaft klappen. Fühlst du dich bereit für diese Herausforderung?
Absolut! Nach zwei Jahren im Formelsport ist jetzt der perfekte Zeitpunkt gekommen, um den nächsten Schritt zu machen und in eine höhere Klasse aufzusteigen. Ich fühle mich zu 100 Prozent bereit für diese Aufgabe. Ich weiß, dass das Niveau in der Formel 3 Europameisterschaft wahnsinnig hoch ist – das haben dieses Jahr Fahrer wie Max Verstappen gezeigt, der 2015 in die Formel 1 einsteigt. Aber die Herausforderung würde ich nur zu gern annehmen.

Bevor es soweit ist, hast du noch ein weiteres Ziel vor Augen: den diesjährigen Gesamtsieg in der Deutsche Post Speed Academy. Wie stehen die Chancen, ‚Deutschlands Motorsport-Talent des Jahres‘ zu werden?
Ich habe zwei von drei Wertungszeiträumen gewonnen, jetzt steht das Finale bevor. Es wäre unglaublich, in meinem ersten Jahr bei der Deutsche Post Speed Academy auf Anhieb den Titel zu gewinnen. Viele Dinge, die ich in den spannenden Workshops gelernt habe, konnte ich auf die Rennstrecke übertragen. Ich bin froh und stolz, Förderpilot der Deutsche Post Speed Academy zu sein.

Foto: ADAC Formel Masters