9. September 2015

Lehrreiche Formel-3-Premiere in Portugal

Maximilian Günther: Risiko zahlte sich nicht aus

Kniffliges Rennwochenende für Maximilian Günther in der FIA Formel-3-Europameisterschaft. Bei seiner Formel-3-Premiere in Portimao, Portugal verpasste der 18-Jährige die Punkteränge. In der Rookie-Meisterschaft, in der ausschließlich Fahrer ohne vorherige F3-Erfahrung antreten, belegt Maximilian den fünften Platz bei insgesamt 18 Piloten.

Maxi, dein Formel-3-Debüt in Portugal begann positiv. Nur im Qualifying lief es nicht wie erhofft. Was war los?
Zum Auftakt gab es einige Lichtblicke. Beim offiziellen Test kurz vor dem Rennwochenende war ich der Fünftschnellste aller Piloten. Auch im Training lief es mit Platz sieben gut. Vor dem Qualifying wollten wir beim Setup einige Verbesserungen vornehmen, um noch weiter nach vorne zu fahren. Leider zahlte sich unsere Arbeit nicht aus. Während des Zeittrainings hatte ich arg mit der Balance des Autos zu kämpfen. Außerdem gelang es uns leider nicht, zum richtigen Zeitpunkt eine freie Runde zu erwischen. Das kann bei einem Starterfeld von über 30 Autos leicht passieren. Die eine oder andere schnelle Runde gelang mir zwar, doch da waren meine Reifen nicht mehr im optimalen Arbeitsfenster. Wenn man dadurch zwei, drei Zehntelsekunden verliert, kostet das einige Plätze.

Im bisherigen Saisonverlauf hast du mit einigen starken Überholmanövern auf dich aufmerksam gemacht. Warum klappte es in Portimao nicht?
Das kann man so nicht sagen. Gerade die Startphasen funktionierten sehr gut und ich konnte je bis zu fünf Positionen gewinnen. Nur kann ich unterm Strich mit zwei 14. Plätzen als Ergebnissen natürlich nicht zufrieden sein. Ich denke aber, dass ich das Maximum aus den vorhandenen Möglichkeiten herausgeholt habe. Nachdem klar war, dass wir uns aus dem Mittelfeld nach vorne kämpfen müssen, haben wir etwas riskiert und das Auto auf wenig Abtrieb eingestellt. Dadurch wollten wir uns einen Vorteil auf den Geraden verschaffen. In den schnellen Kurven, speziell in der letzten, hatte ich deshalb aber Schwierigkeiten, an meinem Vordermann dran zu bleiben. Auf dem Weg zur Start/Ziel-Geraden verlor ich im Schnitt 20 Meter. Auf der Geraden holte ich den Rückstand zwar auf, konnte aber nicht mehr zu einem Überholmanöver ansetzen. Wegen der geringen Downforce war es ein echter Kampf im Auto.

Das dritte Rennen am Sonntag war für dich nach einer unverschuldeten Kollision früh beendet. Was ist da genau passiert?
Der Ausfall war ärgerlich, denn mir gelang mein bester Start an diesem Wochenende. Von Platz 16 machte ich schon in den ersten Kurven viele Positionen gut und lag auf dem 10. Platz. In einer Bergaufpassage fuhr ich dicht hinter Markus Pommer. Bei ihm gab es plötzlich ein Problem und er hatte keinen Vortrieb mehr. Da wir bergauf beschleunigten, erzeugte das eine Wirkung, als ob er hart in die Bremse treten würde. Ich hatte überhaupt keine Chance, ihm auszuweichen, und wir berührten uns. Das führte zum Ausfall beider Autos. Dafür konnte niemand etwas und auch für die Rennleitung war es ein normaler Rennunfall.

Nach deinem Podestplatz in Pau sowie deinem Sieg am Norisring hatte das Team zuletzt ein paar Schwierigkeiten. Wie gehst du als Fahrer mit dieser Situation um?
Die letzten Wochenenden waren natürlich nicht schön, nachdem ich so gut in meine erste Saison in der Formel-3-Europameisterschaft gestartet war. Aber solche Rückschläge gehören dazu und daran bin ich als Fahrer gereift. Als Rookie ist es für mich das Wichtigste, mich stetig weiterzuentwickeln und weitere Fortschritte zu erzielen. In Portimao haben etwa meine Startphasen gezeigt, dass ich auch nach einem schwierigen Qualifying top-motiviert bleibe und das Bestmögliche heraushole. In der Formel-3-EM stehen noch zwei Rennwochenenden aus, bei denen ich auf jeden Fall Vollgas gebe. Ich freue mich schon sehr darauf, auf dem Nürburgring und in Hockenheim wieder vor heimischem Publikum zu fahren.

Foto: Alexander Trienitz